Von Leipzig lernen

von spdfraktion01

Fraktion informierte sich über psychiatrische Versorgung

Zu den zahlreichen Aufgaben des Bezirks Oberbayern gehört auch die psychiatrische Versorgung. Dieser wichtige Bereich der bezirklichen Arbeit stand heuer im Mittelpunkt der Herbstklausur der oberbayerischen Bezirkstags-Fraktion der SPD. Sie fuhr am 6. November für drei Tage nach Leipzig, um dort neue Anregungen und Impulse zu gewinnen.

In Leipzig wurden bereits ab 1963 Psychiatrie-Reformen durchgeführt, die oft Modellcharakter hatten. Besonders bewährt hat sich die sektorisierte, also regionale Versorgung, wie sie dort noch heute praktiziert wird. Dies erfuhren die Bezirksräte von dem städtischen Psychiatriekoordinator Thomas Seyde, der ihnen die örtliche Psychiatrie-Organisation erläuterte.

Seyde ist in Leipzig zentraler Ansprechpartner für die psychiatrische Versorgung und wirkt an deren Planung mit. Ihm steht ein Psychiatrie-Beirat zur Seite. Darin sitzen Stadt und Behörden, Vertreter von Psychiatriebetroffenen und Angehörigen sowie Träger (z. B. Krankenkassen) und Leistungserbringer, darunter Krankenhäuser und Wohlfahrtsverbände. Insgesamt also eine Konstruktion, die alle Beteiligten an einen Tisch bringt.

Ein konkretes Versorgungsangebot Leipzigs ist der „Verbund Gemeindenahe Psychiatrie“ der städtischen St. Georg-Klinik. Die Fraktion besuchte eine Behandlungs- und Beratungsstelle des Verbands. Wie Chefärztin Maria Nollau dort erläuterte, bietet die Einrichtung einen sozialpsychiatrischen Dienst, eine Institutsambulanz, eine Tagesklinik und ein Krisentelefon.

Fraktion-Leipzig-StGeorg-WEB

Um die Sicht der Betroffenen kennenzulernen, besuchte die Fraktion den Verein „Durchblick“ — eine Interessengemeinschaft psychiatrie-erfahrener Menschen, ihrer Angehörigen und Freunde. Der Verein unterhält eine Begegnungsstätte mit Hilfsangeboten wie betreutem Wohnen und Zuverdienst-Arbeitsplätzen. Auch das Sächsische Psychiatriemuseum befindet sich dort und trägt zur Aufklärungsarbeit des Vereins bei.

Die Fraktion besichtigte weiterhin den ehemaligen Gutshof Stötteritz. Dort betreibt der „Verein zur Wiedereingliederung psychosozial geschädigter Menschen e.V.“ ein Tageszentrum, eine Werkstatt für behinderte Menschen und ein Angebot für betreutes Wohnen. Zuletzt informierte sich die Fraktion im Leipziger Rathaus über sozialpolitische Themen wie die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge.

Gerhard Wimmer, der Vorsitzende der Bezirkstagsfraktion, äußerte sich nach der Klausur anerkennend über die Situation in Leipzig: „Gesundheitsversorgung — und damit auch die Psychiatrie — gehört in öffentliche Hand. Deshalb freut es mich, dass die Stadt Leipzig in diesem Bereich sehr aktiv ist und viele Angebote unterstützt. Besonders gut finde ich das hier praktizierte Modell der regionalen Versorgung und den klaren Schwerpunkt auf ambulanter Betreuung. Das wollen wir auch in Oberbayern.“

Fraktion-Leipzig-2014-WEB
Foto: Die Klausur-Teilnehmer im Sächsischen Psychiatriemuseum in Leipzig.

Advertisements