SPD diskutierte mit Fachleuten über stationäre Altenpflege

von spdfraktion01

Es war ein heikles Thema, das sich die oberbayerische Bezirkstags-SPD da ausgesucht hatte: Die stationäre Altenpflege stand im Mittelpunkt der von der SPD veranstalteten Fachdiskussion, die am 29. Oktober in München stattfand. Die Politik erhoffte sich von dem Gespräch Anregungen für ein ebenso wichtiges wie emotionsgeladenes Thema.

Einführend sprach der Bundestags-Abgeordnete Ewald Schurer u. a. über das neue Pflegestärkungsgesetz. Danach kam das vierköpfige Podium zu Wort: zuerst  die Landtags-Abgeordnete und Sozialpolitikerin Doris Rauscher, anschließend Prof. Dr. Bernd Reuschenbach von der Katholischen Stiftungsfachhochschule München.

Aus der Praxis berichteten dann die Münchenstift-Betriebsratsvorsitzende Ellen Trapsokis sowie Evelyn Klenz, Leiterin des AWO-Sozialzentrums in Laim. Es folgte eine offene Diskussion mit den rund 40 Gästen, unter denen u. a. Einrichtungsleiter, Altenpfleger und Angehörigen-Vertreter waren. Moderator war Gerhard Wimmer, SPD-Fraktionsvorsitzender im Bezirkstag von Oberbayern.

Zahlreiche Probleme der Altenpflege wurden thematisiert. So berichteten Teilnehmer von der Schwierigkeit, vorgeschriebene Pflegeschlüssel durch entsprechendes Personal zu erfüllen. Der hohe zeitliche Aufwand für die schriftliche Pflege-Dokumentation wurde von Rauscher und mehreren anderen Teilnehmern kritisiert. Daneben wurde eine bessere Beratung für pflegende Angehörige gefordert.

Einigkeit herrschte über den großen Finanzierungsbedarf in der Pflegeversicherung, der notfalls auch über steuerliche Zuschüsse gedeckt werden müsse. Eine bessere Bezahlung für Pflegekräfte wurde ebenfalls angemahnt. Ebenso wichtig sei aber eine breitere gesellschaftliche Wertschätzung des Pflegeberufs, wie Trapsokis betonte.

Während alle Teilnehmer die Notwendigkeit einer besseren Interessenvertretung für Pflegende sahen, war man sich über die konkrete Umsetzung uneins. Besonders umstritten war Reuschenbachs Forderung nach einer Pflegekammer. Kontrovers wurde auch die Idee einer generalistischen Pflege-Ausbildung diskutiert, die u. a. von Klenz kritisiert wurde.

Moderator Wimmer zog zuletzt eine positive Bilanz: „Es war ein lebhaftes Gespräch, wie beim Thema Pflege nicht anders zu erwarten. Viele Forderungen waren aber Konsens, und diese werden wir politisch aufzugreifen versuchen — zum Beispiel die Verbesserung der Personalsituation und der Angehörigenberatung.“

Wimmer betonte aber auch: „Verbesserungen in der Pflege sind nicht zum Nulltarif zu haben. Es ist letztlich eine gesellschaftliche Frage, was uns die Versorgung und Betreuung unserer Mitmenschen im Alter wert ist und was wir dafür auszugeben bereit sind.“

VA Pflege 29102015 Podium Gruppe WEB

MdB Ewald Schurer mit den Podiumsteilnehmern Evelyn Klenz, Doris Rauscher, Bernd Reuschenbach, Gerhard Wimmer und Ellen Trapsokis (von links).

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